Der Bauer, der im Fernsehen (BR, »Unser Land«, 11.8.06) stolz seinen selbst entwickelten Getreide-Heizofen vorstellt, benötigt für den Betrieb dieser »Kleinanlage" eine Sondergenehmigung. Noch. Denn bald schon könnte es flächendeckend erlaubt sein, mit Weizen oder anderem Getreide zu heizen. In Dänemark ist das Verbrennen von Getreide bereits ohne Einschränkung möglich. Dass es in Deutschland noch nicht allgemein genehmigt ist, liegt nicht an moralischen Bedenken, sondern am Stand der Technik: Beim Verbrennen von Getreide entstehen schädliche Abgase, viel Feinstaub wird in die Luft gepustet, und zurück bleibt ein hoher Ascheanteil. Alles lösbar, meinen die Experten ...
Moralische Bedenken?
Darf oder soll man Getreide, ein Nahrungsmittel, einfach durch den Kamin jagen? Die Passanten, die auf der Straße vom Bayerischen Fernsehen befragt werden, äußern noch Skrupel. Doch einer sagt resignierend: »Man wird sich wohl umstellen müssen«. Wirklich? Naturschützer, so ist es im Filmbeitrag zu hören, sprächen sich dagegen aus. Doch der »Umweltbeauftragte« des Bistums Würzburg, Edmund Gumpert, will sich nicht festlegen, laviert sichtlich verlegen zwischen einerseits und andererseits. Man merkt, dass er es sich mit den Funktionären des Bauernverbandes nicht verderben will... *
Denn dieser sieht in der Verbrennung von Getreide eine »klimafreundliche und nachhaltige Energieerzeugung«, so der Deutsche Bauernverband schon 2002 (!). Immerhin haben 2,5 Kilogramm Getreide denselben »Heizwert« wie ein Liter Öl. Und nachdem der Getreidepreis sinkt und der Ölpreis steigt, beginnen die Gehirne zu rechnen ...
Rechnen können auch Mönche. Die Benediktinerabtei Münsterschwarzach erhielt vor kurzem ein Preisgeld von 10.000 Euro aus dem »Innovationsfonds Regenerative Energien« des Energiekonzerns EON. Der Grund: Die Abtei deckt bereits mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs aus »erneuerbaren Energieträgern«. Klingt gut. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich: In der abteieigenen Biogasanlage werden unter anderem auch »Mais, Luzerne und Futtergetreide« vergoren (Main-Post, 12.8.06).
Das Getreide, das schon heute in zahlreiche Biogasanlagen wandert, wird mengenmäßig weit in den Schatten gestellt durch Mais. Und hier zeigt sich - neben der moralischen Frage, ob Nahrungsmittel zum Verbrennen da sind - noch ein gravierendes Umweltproblem. Mais ist nämlich ein »Problemgewächs«. Der Biologe Prof. Remmer Ackermann sagt, warum: »Der wächst nur, wenn Gülle drauf kommt« (Freitag, 2.6.06). Zudem brauche »der Mais unverhältnismäßig viel Pestizide, um sich gegen andere Pflanzen behaupten zu können ... Böden werden zerstört, die Artenvielfalt sinkt und das Grundwasser wird mit Stickstoff und Pestiziden belastet.« Außerdem bilde »ein Maisfeld eine undurchdringliche Barriere für die meisten Tiere«.
Die Mais-Anbauflächen haben sich in Niedersachsen, wo sie aufgrund der massierten industriellen Tierhaltung ohnehin schon einen hohen Anteil aufwiesen, im Vorjahr nochmals um zehn Prozent erhöht. Das gilt auch für andere Landstriche, wo Landwirte vielfach zu Energiewirten mutieren und eigens für ihre teils nagelneuen Biogasanlagen Mais anbauen.
Perversion der »modernen« Landwirtschaft
Beim Mais zeigt sich die Perversion der »modernen« Landwirtschaft besonders krass: Während weltweit etwa die Hälfte der Getreideernte an Tiere verfüttert wird, die der Mensch dann abschlachtet und sich einverleibt, waren es beim Mais (bis vor kurzem) hundert Prozent. Nun wird ein steigender Anteil davon verfeuert oder vergoren. In jedem Fall aber subventioniert der europäische Steuerzahler diesen umweltschädlichen Anbau.
Man quält also die Mutter Erde mit Gülle und mit Pestiziden, man zwingt sie zu immer höheren Erträgen an Weizen oder Mais - und dann quält man mit dem Ergebnis noch die Tiere, oder man wirft die Ernte einfach in den Ofen oder in die Biogasanlage, weil sie ohnehin nicht viel wert ist, will sagen: wenig Geld bringt. Doch weshalb sind die Preise z.B. für Weizen eigentlich so niedrig? Dahinter steckt ein wahnwitziges System von Agrarsubventionen, das sich längst verselbstständigt hat, und an dem am wenigsten die kleinen oder mittelgroßen bäuerlichen Betriebe verdienen, sondern hauptsächlich Großbetriebe, Nahrungsmittelkonzerne, Saatgutunternehmen und Großgrundbesitzer - zu denen in Deutschland z.B. auch die Kirchen gehören. Dieses System produziert laufend Überschüsse, die die Preise in den Keller drücken - und die dann zu Dumpingpreisen ins Ausland abgeschoben werden, wo sie die dortigen kleinbäuerlichen Betriebe kaputtkonkurrieren. Oder sie werden eben verbrannt...
Zerstörung des Regenwaldes und Welthunger
Teil dieses »Systems« sind allerdings auch die Verbraucher, die hemmungslos nach möglichst billiger Fleischnahrung verlangen. Denn womit werden die Rinder und Schweine in Europa gefüttert? Nicht nur mit heimischem Mais oder Roggen, sondern auch mit Soja z.B. aus Brasilien. Dafür werden dann die letzten Regenwälder abgeholzt. Und in der Nähe der Sojaplantagen leben Menschen, die Hunger leiden. Sie können sich nicht einmal die Pacht für ein kleines Stück Land leisten, um sich etwas zu Essen anzubauen. Denn gegen die europäischen Tierleichenteilvertilger können sie nun mal nicht um die vorhandenen Böden konkurrieren.
Wie lange wird die malträtierte Mutter Erde dies alles noch mitmachen können? Die Verheizung des Getreides, das sie dem Menschen mit letzter Kraft geschenkt hat, damit er sich ernähren kann, ist wie ein Symbol: Wer Getreide und damit Brot verheizt, der heizt gleichsam die Apokalypse an, die uns Menschen als Wirkung unseres rücksichtslosen Verhaltens vorhergesagt ist.
... und vergib uns unsere Schuld?!
Im »Vater Unser« beten die Christen: »Unser täglich Brot gib uns heute.« In der Apokalypse, wenn die Auswirkungen des menschlichen Zerstörungswahns gegenüber der Mutter Erde immer deutlicher zutage treten werden, wird es wohl zwangsläufig heißen: »Unsere tägliche Not gib uns heute.« Und man wird fortfahren müssen: »Und lass uns unsere Schuld, weil wir uns täglich versündigen gegen die Notleidenden« - sprich gegen Tiere und Menschen. Und was wird man statt dem »Amen« sprechen? »Ende mit uns«?!
Programm gegen das mörderische Ausbeutungssystem
Schon vor zweitausend Jahren hat Jesus von Nazareth ein Gegenprogramm aufgestellt gegen das mörderische Ausbeutungs-System, mit dem der Mensch heute die ganze Erde überzieht. In der Bergpredigt lesen wir: »Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.« Das heißt doch im Umkehrschluss: Nur wenn der Mensch aufhört, gegen die Tiere, gegen das Bodenleben, gegen die Mutter Erde Gewalt anzuwenden, nur wenn er der Natur und den Tieren Gerechtigkeit widerfahren lässt, wenn er sie als Mitgeschöpfe, als lebendige und fühlende Wesenheiten wahrnimmt und schützt, wird er auf dieser Erde ein nachhaltiges Auskommen finden, wird er auf Dauer satt werden.
Wieviel Natur-Energie steckt in einem einzigen Weizenkorn? Erde, Luft und Wasser haben es wachsen lassen, haben wertvolle Inhaltsstoffe herausgebildet; es hat unter Umständen Kälte und Unwetter überstanden. Und nun wird es geerntet - nur um verbrannt zu werden?
Es genügt, sich dieses Bild vor Augen zu führen - und wir wissen, wo wir als Menschen heute stehen. Und was wir ändern können.
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