Vater ersticht Sohn

Weil die Bibel es befiehlt

Beide großen Konfessionen halten die Bibel für die reine Offenbarung Gottes. Doch wohin führt es, wenn man dieses Buch wörtlich nimmt? In Ratzeburg erstach der 12-fache Familienvater Karl K. (59) seinen ältesten Sohn Thomas (22) im Streit mit einem Küchenmesser. Zur Begründung sagte er hinterher: »Ich musste es tun. Gott ist mein Zeuge.«

Karl K. war zuvor immer wieder dadurch aufgefallen, dass er die Bibel sehr wortgetreu auslegte. Er führte in der Familie ein sehr autoritäres Regiment (»Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter«, Kolosserbrief 3,18); die Kinder wurden gezüchtigt und mussten ihm »gehorsam in allen Dingen« sein (Kolosser 20).

Als der Sohn wieder einmal mit dem Vater darüber stritt, ob ein bibelgläubiger Christ sich mit einem Mädchen einlassen dürfe, das keine Jungfrau mehr sei, platzte dem Sohn nach Aussage des Vaters die provozierende Bemerkung heraus: »Dann gehe ich jetzt los und vergewaltige eine 13-Jährige.« Das nahm der Vater zum Anlass, ihm ein Küchenmesser in den Rücken zu stoßen. Er habe ihn »vor einer Todsünde bewahren müssen.« (Spiegel 9/2007)

Nach dem Wortlaut der Bibel ist ein solches Verhalten gerechtfertigt, denn im 5. Buch Mose, (21,18), steht geschrieben: »Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen... So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe...«

Vom Standpunkt der Bibel aus kann man dem Familienvater allenfalls vorwerfen, dass er den Gang »zu den Ältesten der Stadt« nicht angetreten hat - doch die kommunalen Behörden waren in seinen Augen nicht ernst zu nehmen, weil sie sich nicht an die Bibel hielten.

Wenn Karl K. demnächst wegen Mord oder Totschlag angeklagt wird, so sollten auch Vertreter der Institutionen mit auf der Anklagebank sitzen, die bis heute behaupten, die Bibel sei reines Wort Gottes.


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