Brief an die Linkspartei

Sehr geehrter Herr Lafontaine,

Auslöser für die Gründung des neuen Wahlbündnisses der Linspartei mit der WASG war die soziale Schieflage, in welche die Bundesrepublik geraten ist. Und diese soziale Schieflage ist im Hintergrund nicht zuletzt auch eine ökonomische Schieflage.

Wir wissen nicht, ob es Ihnen bewusst ist, dass das Haushaltloch von Herrn Eichel durch ein skandalöses „schwarzes Loch“ hausgemachter Art massiv vergrößert wird, über das kaum jemand zu sprechen wagt: Das sind die Subventionen des Staates an die Großkirchen.

Wir haben Ihnen eine Analyse beigelegt, die eine Initiative namens „Spart euch die Kirche!“ dankenswerterweise erstellt hat. Aufgrund gesicherter Zahlen kommt diese Initiative zu dem Ergebnis, dass der deutsche Staat Jahr für Jahr mindestens 14 Milliarden Euro an die Kirchen verteilt – unabhängig von der Kirchensteuer und zusätzlich zu den Sozialleistungen der Kirchen die er noch einmal zu weit über 90 Prozent subventioniert.

Wir wollen die Zahlen hier im einzelnen gar nicht aufschlüsseln – wir empfehlen, sie selbst in der kleinen Broschüre nachzulesen. Es ist tatsächlich die Frage, ob der Staat angesichts wachsender Armut der Bevölkerung weiterhin die üppigen Gehälter von Bischöfen und Landesbischöfen berappen soll, die Ausbildung kirchlicher Theologen und vieles mehr.

Wären diese Subventionen in den vergangenen Jahrzehnten nicht wie selbstverständlich Jahr für Jahr geflossen, so wäre, wie Fachleute ausgerechnet haben, unsere Staatsverschuldung heute nur etwa halb so hoch. Und Hartz IV hätte man sich auch sparen können.

Gerade angesichts einer immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich in unserem Land ist es ein doppelter Skandal, dass der Staat, anstatt für die Armen in ausreichendem Maß zu sorgen, zwei Institutionen massiv mit Steuergeldern versorgt, die mit geschätzten 500 Milliarden Euro Vermögen zu den reichsten im Lande gehören.

Dreifach skandalös wird dieser Umstand, wenn man einmal hinter die Kulissen dieser Kirchen blickt. Sind sie wirklich so christlich, wie sie vorgeben?

Als Journalisten, die sich dem ursprünglichen Christentum verpflichtet fühlen (das übrigens sehr soziale Züge trug!), möchten wir Sie auf die Zusammenfassung einer Gesprächsrunde zum Thema „Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ aufmerksam machen, die im Internet unter www.stuhl-petri.de nachzulesen ist. Die Serie wird fortgesetzt und demnächst als Buch veröffentlicht.

Die Themenstellung schließt übrigens die lutherische Kirche nicht aus, sondern ein, weil diese im Grunde nur ein „Ableger“ der römischen Kirche ist.

Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass Sie mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs nicht jeden Brief ausführlich beantworten können. Es würde uns aber dennoch – möglichst noch vor der Wahl – interessieren, wie Sie zu der eingangs erwähnten Frage der staatlichen Subventionierung der Kirchen durch den Staat stehen, und ob Sie beabsichtigen, der skandalösen Tatsache ein Ende zu bereiten, dass Atheisten, Muslime, Juden und viele andere Nicht-Kirchenmitglieder (zu denen auch wir gehören) mit ihren Steuergeldern diese „Vereine“ auch noch unterstützen müssen.

Wir wissen, dass viele unserer Leser nur darauf warten, endlich einer Partei ihre Stimme geben zu können, die in glaubhafter Weise öffentlich ankündigt, dieser Ungeheuerlichkeit ein Ende bereiten zu wollen.

Haben Sie Mut: Viele Mitbürger haben empfinden Überdruss darüber, wie die staatlich gelenkten Massenmedien z.B. anlässlich des Weltjugendtages eine pausenlose Jubelfeier veranstaltet haben, gegen die sich staatssozialistische Veranstaltungen früherer Jahre wie urdemokratische Diskussionszirkel ausnehmen. Es ginge ein Aufatmen durch Deutschland, wenn endlich eine Partei den Millionen nicht kirchlich gebundener Mitbürger ein Stimme geben würde.

Wir erwarten Ihre Antwort – wenn möglich, noch vor der Wahl!

Mit freundlichen Grüßen




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