oder Wie in Deutschland mit Tieren umgegangen wird

 



Wir leben in einer Zeit, in welcher der Wert eines Tieres nach dem Gewicht des verkaufbaren Fleisches berechnet wird. Ein Tier ist so viel wert, wie es finanziellen Nutzen für den Menschen bringt. Erkrankt es, so ist dies meist sein Todesurteil - oder es beginnt eine Zeit des Leidens, denn Tierarztkosten würden den kargen Gewinn noch restlich aufbrauchen.

Dieses Schicksal musste Jacob, ein junger Schafbock durchleiden. Vermutlich verursacht durch einen Harnstein, konnte er nicht mehr richtig urinieren. Ein Tierarzt wurde nicht hinzugezogen, das hätte ja Kosten verursacht. Der Druck auf der Blase wurde immer größer, bis der Harnleiter platzte. Und so lief der Urin aus mehreren Stellen heraus... Viele Stellen waren wund und voller Eiter und bereiteten dem jungen Schafbock große Schmerzen.

Erst als er für die Nachzucht nicht mehr genutzt werden konnte, überlegte sich der Schafzüchter, was er mit dem Tier machen sollte. Einige Wochen lang konnte er sich nicht entscheiden. Und so wurde der Schafbock im Sommer gar nicht erst geschoren, denn wenn er dann zum Schlachter kommt, hat man die Arbeit ja umsonst gemacht. Für Jacob bedeutete dies, dass er zusätzlich zu dem geplatzen Harnleiter und den schmerzenden Wunden noch unter der unsäglichen Hitze - es war mehrere Wochen um die 30 Grad heiß - leiden musste.

»Entweder ihr nehmt ihn - oder er kommt zum Schlachter!«

Da Jacob jedoch ein besonders schöner und anhänglicher Schafbock gewesen war, stellte der Besitzer schließlich die Tierschützer von der Gabriele Stiftung vor die Wahl: »Entweder ihr nehmt ihn, oder er kommt zum Schlachter!«

Die Tierfreunde und Mitarbeiter der Gabriele Stiftung sehen Tiere nicht als Sache - für sie sind es Mitgeschöpfe, die den gleichen Atem tragen wie sie selbst. »Jedes Tier ist ein Lebewesen, das Freud und Leid fühlt, das geliebt und geachtet werden will!«, erklärt Tierpfleger Hermann Dürr. »Deshalb sind wir natürlich auch Vegetarier!«

Tiere als Mitgeschöpfe

Tiere werden bei der Gabriele-Stiftung nicht nur nicht getötet - die hier tätigen Menschen versuchen, wieder in Einheit mit den Tieren und der Natur zu leben. Tiere, die vor dem sicheren Tod oder aus tierquälerischen Verhältnissen gerettet wurden, erhalten große Wiesen, schöne Unterstände, die sie vor Regen, Sonne und Frost schützen und abwechslungsreiche, gesunde Nahrung. Ist ein Tier krank, bekommt es besonders viel Betreuung und Zuwendung - manchmal bleiben die Tierpfleger die ganze Nacht, um die Tiere zu pflegen und ihnen beizustehen.

Jacob kommt auf das friedvolle Land

Und so war es für die Tierpfleger der Gabriele Stiftung klar: »Wir retten Jacob und holen ihn auf das friedvolle Land!« Von dem Züchter erfuhren sie lediglich: »Jacob hatte vor längerer Zeit eine Blasenentzündung - aber die ist längst gut verheilt.«

Als sie Jacob aus dem Transporter ausluden, war es schon Abend und wurde bereits dunkel. Er wurde in einem geräumigen Stall untergebracht und versorgt. Gleich am nächsten Morgen machten sich die Tierpfleger daran, den Schafbock endlich zu scheren - es war Hochsommer! Da erst entdeckten sie die furchtbaren Verletzungen: Die Hoden waren völlig entzündet, der Urin lief an mehreren Stellen zwischen den Hoden heraus, ein Hoden war komplett verkümmert!

Jacob muss in der Tierklinik operiert werden

Sofort wurde in der Tierklinik angerufen und noch für den gleichen Tag ein Operationstermin ausgemacht. Als die Tierpfleger am Nachmittag mit Jacob in der Tierklinik ankamen, mussten sie wegen vielen Notfällen stundenlang warten. »Es war ganz erstaunlich: Jacob war dabei total tapfer und zutraulich - er hat gemerkt, dass wir ihm helfen wollen«, erzählt Daniel Zopfi, der Jacob begleitete. Noch in der gleichen Nacht wurde der Schafbock operiert.

Zurück auf dem friedvollen Land, bekam Jacob einen eigenen Bereich abgetrennt. Doch schon nach einem Tag sprang er über den Zaun und lief zu seiner neuen Schafherde. »Er hat sich auffallend schnell in die Herde integriert«, erzählen die Tierpfleger. »Jacob ist ein sehr lieber Schafbock. Wir haben ihm regelmäßig Medikamente gegeben, und er war sehr tapfer.« Für die Tierpfleger ist es unvorstellbar, wie Jacob monatelang mit solchen furchtbaren Schmerzen leben musste und nicht behandelt wurde. Dabei kam er nicht einmal aus der Massentierhaltung, sondern »vom Dorf«.

Deutschland ist - was Tierschutz angeht - ein Entwicklungsland...

 



Weil sich der Schafzüchter mit dem Gedanken trug, Jacob schlachten zu lassen, wurde er den ganzen heißen Sommer über nicht einmal geschoren...

 



Erst als die Wolle herunter war, entdeckten die Tierpfleger voller Entsetzen Jacobs furchtbare Verletzungen...

 



Jacob hatte Glück - er wurde von Tierfreunden nicht nur vor dem Schlachter gerettet, sondern sie brachten ihn auch in die Tierklinik

 



Schon einen Tag nach der Operation sprang Jacob über den Zaun zu seiner neuen Herde

 




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