Wie es wirklich um den Einfluss der Kirche auf die Massenmedien bestellt ist, das merkt man erst, wenn es einmal anders läuft.
Da berichten die Fränkischen Nachrichten aus Tauberbischofsheim (27.12.06) frank und frei über die Demonstration der Urchristen gegen die „Sternstunden der Verfassung“ (siehe Artikel „Kann die Wahrheit beleidigend sein?“). Die Zeitung nennt wahrheitsgemäß einige der Texte, die auf den Schildern zu lesen standen (z.B.: „Verurteilt unter dem Inquisitionskreuz des Amtsgerichts Würzburg“), sie nennt die Namen der Richter und des Staatsanwalts, deren Verhalten die Demonstranten kritisiert hatten – und wählt die informative Überschrift: „Zwei Prozesse treiben 600 Menschen auf die Straße“.
Besonders aufschlussreich ist die Platzierung der Meldung: genau unter einem Artikel über die Weihnachtspredigt des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann, der etwas über die „Menschenwürde“ gesagt hat, die durch den wissenschaftlichen Fortschritt „bedroht“ sei.
Oben verteidigt die Kirche angeblich die Menschenwürde – und genau darunter ist zu lesen, dass Bürger dieses Landes ihre Menschenrechte zum Teil von einem Filz, hinter dem maßgeblich die Kirche steckt, bedroht sehen.
Die Meldung ist von einer erfrischenden Objektivität. Es wird einfach berichtet, was passiert ist. Doch warum muss das erwähnt werden? Warum ist es so ungewöhnlich?
Weil Meldungen über die Angelegenheiten religiöser Minderheiten meist von theologisch vorverbildeten Korrespondenten des Evangelischen Pressedienstes oder der Katholischen Nachrichtenagentur verbreitet werden, eifrig durchsetzt mit subtilen Ausgrenzungsetiketten wie „umstritten“, „konfliktträchtig“, „Sekte“ usw. Nur waren die „Experten“ offenbar zum Zeitpunkt der Demonstration bereits in den Winterurlaub abgereist.
Im Interesse der Meinungsvielfalt kann man da nur sagen: Leute, macht öfter Urlaub!
So auffallend das frische Pflänzchen der Wahrheitsliebe mitten im Winter war, so vorhersehbar war die Reaktion der Institution, die sich für die „Korrektheit“ der veröffentlichten Meinung im kirchlichen Sinne prädestiniert sieht. In besonderem Maße trifft dies auf den lutherischen Pfarrer Michael Fragner aus Uengershausen bei Würzburg zu, der im Internet sämtliche Verleumdungen über das Universelle Leben sammelt und weiterverbreitet, deren er nur habhaft werden kann. Wir wissen zwar nicht genau, was die armen Kollegen aus dem Taubertal sich anhören mussten. Aber aus dem Dunstkreis des Internetpfarrers war zu vernehmen, dass er ziemlich erbost war.
Sie sind es eben gewohnt, die Kirchenvertreter, dass die Presse ihnen zu Willen ist und gehorsam die sprachlichen „Duftmarken“ so setzt, dass der Leser immer merkt, was er „gut“ und was „schlecht“ zu finden hat. „Gut“ ist katholisch und evangelisch, „schlecht“ ist alles andere. Den Leser sich eine eigene Meinung bilden lassen? Wo kommen wir da hin! Otto Normalleser hat sich daran schon so gewöhnt, dass er es erst merkt, wenn die normale Dunstglocke mal angehoben wird. Das passiert selten genug – doch wenn, dann springen die Pfarrer im Dreieck, denn diesen Augenblick fürchten sie. Sie fürchten ihn wie Martin Luther die „ketzerischen“ Prediger, etwa die der Täufer, die er nicht zu „leiden“ befahl, wenn sie „ohne Amt und Befehl herfahren“. Man solle sie nur stracks dem „Meister Hans“, dem Henker, übergeben.
Den „Meister Hans“ gibt es heut nicht mehr. Vielleicht rasten gerade deshalb Luthers Nachfolger heute nicht mehr nur dann aus, wenn eine andere Glaubenslehre als die ihre verkündet wird, sondern schon dann, wenn eine Zeitung mal „aus Versehen“ die Wahrheit über eine religiöse Minderheit schreibt.
Die zarten grünen Pflänzchen der Wahrheitsliebe müssen sofort zertreten werden, wo immer sie sich auch zeigen. Denn die fallen sofort auf unter all den übel riechenden Wucherpflanzen aus den kirchlichen Verleumdungstreibhäusern.
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