Wenn ein Blinder von der Sonne spricht

Zur Kritik hat er uns aufgefordert, der oberste aller Katholiken, zur Kritik an seinem neuen Buch »Jesus von Nazareth«. Doch offenbar leiden die meisten Journalisten unter chronischer Beißhemmung, sobald der Name »Ratzinger« am Horizont auftaucht. Ob es daran liegt, dass er kurz vor Erscheinen des Buches wieder mal darauf hingewiesen hat, dass es eine »ewige Hölle« gibt?
Lieber »Papa Ratzi«, einer muss deiner Bitte ja nachkommen. Dann machen wir's eben.


Papst Ratzinger auf dem Thron und mit einer Geste, die an einen römischen Imperator erinnern mag



Schön sind die Worte ja tatsächlich: gewählt, gelehrt, geschliffen. Doch wie sieht die Praxis aus? Professorenpapst Ratzinger rühmt zu Recht das Mitleid des barmherzigen Samariters, der dem unter die Räuber gefallenen Juden hilft, und hebt hervor, der Mensch müsse »von innen her gut werden.«

Doch wie steht es um die Barmherzigkeit und Güte des Autors?

Fast zeitgleich mit dem Vorabdruck des Samariter-Kapitels in Bild berichtet die Süddeutsche Zeitung (10.4.07) über die Geliebte eines bayerischen Priesters, die diesem in den 70-er Jahren eine Tochter schenkte. Der zuständige Erzbischof namens Joseph Ratzinger ließ der Frau damals ausrichten, sie trage als Frau die alleinige Schuld. Es sei das Beste, den Kontakt zum Kindsvater abzubrechen.
Wir könnten jetzt noch aufzählen, wie viele Theologen der oberste Glaubenspräfekt Ratzinger im Laufe seiner Amtszeit gemaßregelt und gedemütigt hat. Ersparen wir uns das.
Lenken wir lieber den Blick auf unsere Mitgeschöpfe, die Tiere. Papst Ratzinger aß zu Weihnachten 2005 einen Kapaun, einen bei vollem Bewusstsein kastrierten jungen Hahn. Und zu Weihnachten 2006 ließ er sich aus Bayern extra ein für ihn tot geschossenes Reh bringen. Barmherzigkeit mit den Tieren? Fehlanzeige!

Jesus hat nie eine »ewige Hölle« gelehrt

Statt dessen rühmt Ratzinger die Güte und Barmherzigkeit des Vaters im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Vater nimmt den abtrünnigen Sohn wieder auf.

Wenige Wochen vor Erscheinen seines Buches hat jedoch Ratzinger, wir erwähnten es bereits, erneut die Existenz der Hölle und damit der ewigen Verdammnis bekräftigt - einem Ort, für dessen Bewohner es angeblich nie mehr Güte und Barmherzigkeit gibt. Der Papst wörtlich: »Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies haben will und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht, existiert und ewig ist für jene, die ihre Augen vor seiner Liebe verschließen.«

Dass Jesus von Nazareth eine »ewige Hölle« nie gelehrt hat, sieht man unter anderem am Gleichnis vom verlorenen Sohn. Vielmehr: Man sähe es, wenn man dieses Gleichnis nicht mit einem Theologengehirn, sondern mit wachem Herzen lesen würde. Kein Vater der Welt könnte sein Kind auf immer verstoßen. Wie kann Gott, der reine Liebe ist, dies fertig bringen?

Woher kommt der Reichtum der Kirche?

Machen wir noch einen dritten Versuch. Nehmen wir das Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus. Nach seinem Tod muss der Reiche erkennen, dass der arme Lazarus für ihn augenblicklich unerreichbar im Himmel ist. Salbungsvoll spricht der Papst hier vom »Erwachen« des Menschen, der erfasst, dass Reichtum nicht alles ist und den inneren Reichtum anstrebt.

Doch wie hält es die Kirche mit ihrem unermesslichen Reichtum? Wie hält sie selbst es mit dem Gesetz von Saat und Ernte, das in dieser Geschichte zum Ausdruck kommt? Denn der reiche Prasser muss nun die Folgen seiner Gleichgültigkeit tragen. Werden nicht einst auch die Kirchenfürsten, die mit den angehäuften Schätzen ihrer Institution nicht den Armen geholfen haben, Ähnliches erleben müssen? Dies scheint Joseph Ratzinger nicht in den Sinn zu kommen.

Wer dieses Buch lesen möchte, der soll es tun. Er soll nur nicht glauben, dass er wirklich etwas über Jesus, den geistigen Revolutionär, erfahren wird. Oder über Christus, den Sohn Gottes, der in jedem Menschen lebt und lebendig werden möchte. Wie auch: Wer Christus mit Seiner Kraft in sich findet, der wird zu keinem Priester oder Papst mehr laufen.




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Die Inquisition und ihre Gehilfen
Die Wahrheit über Jesus von Nazareth