Dr. Stefan von Holtzbrinck herrscht über einen großen Zeitungskonzern und gehört zu den Mächtigen des Landes. Auf höchster Ebene wirkt er seriös und verfassungstreu. Doch in den unteren Etagen - dort, wo die Provinzzeitungen seines Imperiums entstehen - gibt es offenbar Journalisten, die seine Pressemacht zu verfassungsfeindlichen Zielen missbrauchen: Zur Strangulierung religiöser Minderheiten, die den Kirchen missfallen.

In Bamberg dürfen Ketzer nicht klagen

Anders ist es kaum zu verstehen, dass die kirchenfreundliche MAIN-POST durch ihren Weltanschauungsbeauftragten Tilman Toepfer seit Jahren so hemmungslos gegen die Urchristen im Universellen Leben polemisiert. Stolz berichtet das Kampfblatt gegen urchristliche Kirchenaussteiger nun über das Glück, das seine hämischen und ehrenrührigen Artikel vor Gericht hatten: Man fand im kirchenfreundlichen Bamberg Richter, die eine Klage der kirchlich missbilligten Glaubensgemeinschaft Universelles Leben gegen die kirchenfreundliche MAIN-POST gar nicht erst zuließen: Der Trägerverein dieser längst als Religionsgemeinschaft von Behörden und Gerichten anerkannten Gruppierung habe kein Recht, sich gegen Verunglimpfungen der Gemeinschaft zu wehren. Die Bamberger Richter sind die einzigen in ganz Deutschland, die den Rechtsschutz verneinen. Die MAIN-POST nahm diesen Freibrief für unseriöse Berichterstattung dankend entgegen.

Ein Exempel für den Kulturkampf

Doch es geht im Hinterhof des Holtzbrinck-Konzerns offensichtlich um mehr: Der zum Schutz des unterfränkischen Lokalblättchens engagierte kirchentreue Jurist Dr. Johannes Weberling aus Berlin kommentiert das Bamberger Unrechtsurteil mit der entlarvenden Bemerkung, dass die Bamberger Rechtsauffassung für »die weitere Auseinandersetzung mit Sekten und vergleichbaren Gruppierungen große Bedeutung« hätten. Offenbar soll nun die Justiz zu einem Instrument des Weltanschauungskampfes werden. Denn (so Weberling) »nach den dort festgelegten Kriterien können sich auch islamistische Trägervereine von Kulturzentren und Moscheen nicht mehr ohne weiteres als Sprecher und Kläger für ihre Anhänger aufschwingen.« Bravo! Der stramme Jurist weiß, was er seiner Kirche im Kampf der Konfessionen schuldig ist! Ob Konzernherr Holtzbrinck dem wohl zustimmt? Oder formieren sich hier Juristen und Journalisten unter seinem weiten Mantel zu einer neuen Hexenjagd? Holtzbrinck als Adjutant Toepfers, und die MAIN-POST als Handlanger kirchlicher Sektenbeauftragter? Da wackelt der Schwanz mit dem Hund - vermutlich ohne, dass dieser es merkte. Der kirchliche Ungeist der Bischofstadt von Julius Echter (genannt »der Schlächter«) und spießige Intoleranz vernebeln der MAIN-POST-Redaktion den Blick. Und die MAIN-POST-Journalisten vom Heu- chelhof (so heißt der Stadtteil wirklich) werden mit noch größerer Freude gekonnt und gerichtsfest die Unwahrheit über eine religiöse Minderheit verbreiten, solange der Konzernchef seine Pressemacht auf unterer Ebene dazu missbrauchen lässt.

Wahrheitsverdrehung als Methode

So geschah es auch in seinem jüngsten Artikel, in dem er dreist behauptete, der Rechtsberater des Universellen Lebens habe die MAIN-POST »mundtot machen« wollen und sei dabei stets unterlegen. Dass seine eigene Zeitung gegen die Bezeichnung des Artikelverfassers als »Weltanschauungsbeauftragter« zu Gericht zog und dabei unterlag, verschweigt er. Ebenso verschweigt er, dass sich seine eigene Zeitung in einem Gegendarstellungsverfahren auf dringenden Rat des Gerichts in einem Vergleich zu einer Gegendarstellung verpflichten musste. Wahrheitsverdrehung als Methode unseriöser Berichterstattung.

Übrigens ist der Weltanschauungsbeauftragte des kirchenfreundlichen Blattes bereits in seinem Vokabular ein gelehriger Schüler kirchlicher Sektenbeauftragter, die ebenfalls davon sprechen, man wolle sie »mundtot« machen, wenn man sich gegen ihre Verleumdungen zur Wehr setzt. Wer hier wirklich »mundtot« gemacht werden soll, hat der Jurist des Holtzbrinck-Konzerns ja ungeniert erklärt: Religiöse Minderheiten sollen nicht mehr so leicht klagen können.

Deshalb sprach der Rechtsberater des Universellen Lebens davon, dass in Bamberg Richter judizierten, die das Recht verbogen - Arm in Arm mit Journalisten, die die Wahrheit verdrehten.




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Denk Mit Nr. 7 Juni/Juli 05
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