Immer mehr Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie, Zoologie und Verhaltensforschung kommen zu dem Schluss: Tiere zeigen moralisches Verhalten. Sie verfügen über erstaunliche gedankliche und emotionale Fähigkeiten. Und immer mehr Forscher nennen es beim Namen und sagen: Ja, Tiere haben Bewusstsein, Tiere haben eine Seele.
Viele Philosophen und vor allem Theologen trauten jahrhundertelang nur dem Menschen als »Krone der Schöpfung« zu, Recht von Unrecht zu unterscheiden und seine Handlungen nach ethischen Regeln auszurichten. Tiere galten bislang als »animalisch«, »viehisch«, »bestialisch« und »tierisch«. Doch in jüngster Zeit stoßen Forscher zunehmend auf »humane« Umgangsformen bei Tieren, wie Einfühlung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, Gerechtigkeit, Freundschaft, Gemeinschaftssinn, Fairness, Versöhnung. Nun finden sich diese »humanen Umgangsformen« bei Menschen heutzutage ja eher selten. Nach der Flutkatastrophe von New Orleans beispielsweise wurde nicht von Selbstlosigkeit und gegenseitiger Hilfe der Menschen in der zerstörten Stadt berichtet, sondern von Plünderungen, Schießereien und Vergewaltigungen. - Oder wo finden wir Mitgefühl, Opferbereitschaft und Fairness in Wirtschaft und Politik? Vielleicht ist »tierisches« Verhalten manchmal viel ethischer als »humanes«? So heißt es im Magazin GEO Wissen: Sünde und Moral (2005): »Sie meinen, wir Menschen seien die einzigen Bewohner der Erde mit einem Sinn für Moral? ... Würden Außerirdische auf unserem Planeten nach moralischem Verhalten suchen, wer weiß, ob der Mensch dabei wirklich am besten abschnitte.«
Dies mag manchen Menschen nicht gefallen, die sich selbst als Inbegriff von Ethik und Moral und die Tiere als minderbemittelte Kreaturen betrachten, die man nach Lust und Laune aufessen darf.
Vielleicht können wir Menschen einiges von den Tieren lernen? In einer Illustrierten war kürzlich unter der Überschrift »Sie sind treu bis in den Tod - Menschen können viel von Tieren lernen« zu lesen: »Durch dick und dünn gehen, in schweren Zeiten zusammenhalten - bei Menschen ist es mit diesen Tugenden nicht weit her. Wird doch mittlerweile jede dritte Ehe geschieden. Viele Tiere gehen wirklich einen Bund fürs Leben ein.« Adler, Dohlen, Raben, Schwäne, Tauben und Gänse, Seepferdchen, Falterfische aber auch Füchse und andere Tiere bleiben ihr ganzes Leben zusammen und helfen sich gegenseitig bei der Aufzucht der Jungen.
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