Petrus sei ja auch nicht gerade ein »Kristall« gewesen - er habe schließlich Christus verleugnet. Mit diesen Worten verteidigte der polnische Primas Józef Glemp seinen Amtsbruder, Bischof Stanislaw Wielgus, der wegen seiner Mitarbeit beim polnischen Geheimdienst - als nur ein Kleriker von vielen - auf die Ernennung zum Erzbischof von Warschau verzichten musste.
Diese Verteidigungsrede lässt tief blicken. Natürlich kann jeder Mensch einmal Fehler machen. Aber hier sollte jemand zum neuen höchsten Kirchenmann Polens aufgebaut werden, mit entsprechendem moralischen Anspruch und höchster Rückendeckung von Papst Ratzinger - und dieser katholische Führungsmann vertuscht dann seine Vergangenheit und belügt die Öffentlichkeit so lange, bis die Lüge offenkundig wird.
Und dieses Verhalten wird hinterher unter Berufung auf Petrus gerechtfertigt und beschönigt. Da stellt sich doch die generelle Frage: Weshalb beruft sich die Vatikankirche ausgerechnet darauf, von Petrus gegründet worden zu sein - von dem Apostel, der Jesus dreimal verleugnete?
Einmal abgesehen davon, dass diese Behauptung historisch mehr als zweifelhaft ist - das wäre ein eigenes Thema -, scheint sich gerade der wankelmütige Petrus als Begründer der katholischen Doppelmoral äußerst gut zu eignen.
Doppelmoral heißt: Wir schreiben anderen vor, was sie zu denken und zu tun haben. Doch selber brauchen wir uns noch lange nicht dran zu halten. Das mag katholisch sein, christlich ist es auf jeden Fall nicht. Noch heute verrät die Kirche Christus, indem Sie Seinen Namen für das Gegenteil dessen missbraucht, was Er wollte und lehrte.
Aber jetzt wissen wir wenigstens, weshalb auf jedem Kirchendach ein Hahn zu sehen ist. Er dreht sich nicht nur mit dem Wind, er erinnert auch immer an seinen Artgenossen, der den Verrat an Christus dreimal bekräht hat.
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