Auf einem Forschungsgelände der Kirche

Gerade hatte Gregor Maria Hanke, Bischof von Eichstätt, sich klar gegen die Gentechnik ausgesprochen. Doch dann hakte die Zeitschrift Schrot & Korn nach. Man sei »dieser Tage darauf gestoßen, dass eines der aktivsten Forschungszentren für Agrargentechnik in Deutschland der katholischen Kirche gehört. Und zwar die Biopark GmbH in Gatersleben, im Besitz der Gero AG Magdeburg, wiederum im Besitz des Bistums Magdeburg. Was sagen Sie dazu?« Auf diese Frage war der Bischof offenbar nicht gefasst.

»Dieser Umstand«, gab Hanke zu, »ist mir gänzlich neu und erscheint mir fast unwahrscheinlich. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich da erst informieren und mit dem Bischof in Magdeburg Kontakt aufnehmen will.«

Seither war in Schrot & Korn, das sich »gespannt auf Ihre Stellungnahme zu Gatersleben« zeigte, nichts mehr darüber zu lesen. Klar ist nur: Gatersleben existiert, und die massive Beteiligung des Bistums Magdeburg daran ebenfalls. Das neueste Projekt im »Biopark« ist übrigens die Aussaat von Erbsen, die gentechnisch mit Mäuse-Genen angereichert wurden. Diese wiederum sollen dazu führen, dass Schweine, denen man die Erbsen füttert, weniger Durchfall bekommen.

Alles offenbar mit Segen der Kirche.

Hankes war doch erst im Herbst 2006 - nicht zuletzt als eine Art ökologische Vorzeigefigur innerhalb der katholischen Kirche - ins Amt gehievt worden. Sein Kloster Plankstetten ist seit Jahren auf Biolandbau umgestellt, einschließlich der Schlachtung und Verwurstung »artgerecht« gehaltener Rinder und Schweine ...

Doch wer von der Kirche eine eindeutige Stellungnahme zu einem brisanten Menschheitsthema erwartet, der kennt ihre Geschichte nicht. Vor allem, solange Geld und Rendite im Spiel sind, kann man von der Kirche allenfalls ein überzeugtes »Vielleicht« erwarten. Erst wenn die Situation klar entschieden ist, wird die Kirche die Siegerposition beziehen - und so tun, als sei sie schon immer dieser Meinung gewesen. So geschehen in eben diesem Herbst 2006, als die katholische Bischofskonferenz ein »Klimapapier« herausgab, nachdem sie 30 Jahre zu diesem Thema so gut wie nichts zu sagen wusste - bzw. davon wissen wollte.

Während sich Bischof Hanke womöglich noch in der Illusion wiegt, er könne seine Kirche ökologisch umerziehen, haben andere hinter den Kulissen längst die Fäden gezogen. Es läuft offenbar auf eine Zweiteilung Deutschlands hinaus: Der Süden - Bayern, Baden-Württemberg - bleibt weitgehend gentechnikfrei, während im Norden mit seinen großen Feldschlägen die Agrarindustrie manipulieren darf, soviel sie will. Hier ist mehr Arbeitslosigkeit und weniger Opposition, während im kleinteiligen Süden die Gentechnik aufgrund der erforderlichen Abstände zwischen Genfeldern und normalen Feldern ohnehin schwer durchführbar ist.

Nachzulesen ist das in der Zeitung. Christian Schwägerl ließ nämlich in der FAZ vom 14.10.06 die Katze aus dem Sack: »Im Norden und Osten Deutschlands werden sich bioindustrielle Energieerzeugungslandschaften erstrecken ... Für eine gentechnikfreie und auf Biolandbau und Ökotourismus ausgerichtete Landwirtschaft stehen nicht mehr alle Flächen zur Verfügung, sondern nur noch einzelne Gebiete, etwa der Freistaat Bayern, der neuerdings Gentechnikfeindlichkeit signalisiert. Eine solche Aufgabenteilung könnte auch den Streit über die Gentechnik auflösen, weil Ökobauern und Energiewirte gar nicht nebeneinander wirtschaften würden.«

Das Schöne für Kirche und Regierungsparteien dabei ist: Sie können auf beiden Seiten darauf verweisen, immer schon dafür bzw. dagegen gewesen zu sein, je nachdem, wie es gerade passt. Schizophrenie gehört eben zum Handwerk.


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