Ein merkwürdiges Gerichtsurteil

Die Inquisition und ihre Gehilfen

»Wehret den Anfängen!«, so war das Flugblatt überschrieben, das der unterfränkische Landwirt Hermann Dürr (47) zusammen mit einigen Freunden in den Dörfern Hettstadt und Greußenheim (Landkreis Würzburg) verteilte. Er versuchte, sich darin gegen eine moderne Inquisition zu wehren, die ihn und seine Kollegen wegen ihrer Religion und wegen ihres konsequenten Einsatzes für Natur und Tiere als »Sektierer« verunglimpfte. Doch das Amtsgericht Würzburg wehrte den Anfängen nicht, im Gegenteil: »Weiter so!« heißt das Signal, das Amtsrichter Thomas Behl den modernen Religionsverfolgern zukommen ließ.

Urchristen setzen sich für Natur und Tiere ein 



Ketzerverfolgung früher 



Der unterfränkische Landwirt Hermann Dürr hatte sich in seinem Flugblatt gegen eine Sendung des Bayerischen Fernsehens zur Wehr gesetzt, in der das Team von Moderator Christoph Süß in reißerischer Aufmachung die Naturschutzarbeit und die friedfertige, strikt ökologische Anbauweise der Landwirte des Gutes Terra Nova diffamierte:

Es handle sich um eine »Sekte«, die sich abschotte, immer mehr Lebensbereiche in der Region »unterwandern« wolle und Angst und Schrecken verbreite. Das »Vergehen« der Landwirte: Sie sind weder katholisch noch lutherisch, sondern bekennen sich zu der urchristlichen Glaubensgemeinschaft Universelles Leben. Das genügt, um sie in den kirchlich gesteuerten Massenmedien zum Abschuss freizugeben. Und das schon seit Jahren.

Die moderne Inquisition unserer Tage benötigt keine Scheiterhaufen mehr, keine öffentlichen Hinrichtungen.

Immer wieder mal ein hämischer Artikel im Provinzblatt Main Post, jährlich mindestens eine Verleumdungssendung im Bayerischen Fernsehen - und das Feuer der Abwertungen, der künstlich geschürten Ängste und Vorurteile flackert weiter. Entzündet haben es die Inquisitoren von heute: Priester und Pfarrer, die religiöse Minderheiten in aller Öffentlichkeit herabwürdigen und der religiösen »Konkurrenz« die Daseinsberechtigung absprechen. Die Zündler können sich gemeinhin darauf verlassen, dass es genügend Gehilfen gibt, die ihre giftige Wortmunition mit Feuereifer aufgreifen und unters Volk streuen.

Jäger hetzen gegen friedliche Landwirte

Nehmen wir zum Beispiel den Jäger G., der rund um das Hofgut Terra Nova bei Tag und Nacht herumballert. Friedliche Landwirte, die die Jagd ablehnen und das Wild lieber wegscheuchen, als es ihm vor die Flinte zu treiben, sind ihm schon lange ein Dorn im Auge. Bei seinem blutigen Tötungs-Hobby, mit dem er ständig die Nachtruhe anderer stört, will er selbst möglichst ungestört bleiben. Um seinem Ärger Luft zu machen, greift er bereitwillig zu den Giftpfeilen der Inquisitoren: In der »Quer«-Sendung z.B. behauptet er, »bei dieser Sekte« gehe es »um die Kontrolle, um das Geld und um die Macht«. Besser kann man die Kirche, der auch G. angehört, nicht beschreiben - aber eigene Fehler werden eben gerne auf andere projiziert.

Mit Futter lockt der Schießer Tiere an... 



Landwirt setzt sich mit Flugblatt zur Wehr

Hermann Dürr bezeichnet daraufhin G. in seinem Flugblatt als »katholischen Inquisitionshelfer« und als »Schießer« - und er druckt ein Foto von ihm ab. Der Jäger, der keiner Kamera ausweicht, wenn er über seine ungeliebten Nachbarn herziehen kann, der sogar große Schilder aufstellt, um sie zu diffamieren (»Kirche ja - Sekte nein«), ist plötzlich hochempfindlich, was seine eigene Person angeht: Er erstattet Strafanzeige wegen Beleidigung.

Und findet einen Staatsanwalt, der schon seit geraumer Zeit durch Anklagen die »Ketzer« mundtot zu machen versucht, wenn sie sich gegen die Angriffe von Kirchenfunktionären und deren Handlangern wehren. Oberstaatsanwalt Dr. Dietrich Geuder - der umgekehrt Urchristen mehr als einmal die Unterstützung versagte, wenn sie den Staat um Schutz vor rechtswidrigen Angriffen der Amtskirchenvertreter baten - verweist den wütenden Jäger nicht etwa, wie es üblich gewesen wäre, auf den Weg der Privatklage, sondern erhebt selbst Anklage.

Und er hat Erfolg. Vor dem Amtsgericht Würzburg verurteilt Amtsrichter Behl den Landwirt zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. »Schießer« dürfe man zwar zu einem Jäger sagen, so der Richter, aber »Inquisitionshelfer«, das sei eine Schmähung gewesen. Irgendwo müsse dem Streit zwischen den Kirchen und den Urchristen eine »Grenze« gesetzt werden.

Für »Ketzer« gelten offenbar verschärfte Regeln...

Nur seltsam, dass die Richter diese »Grenze« zufällig meist der Minderheit aufbürden - und nicht den mächtigen Großkirchen. Seltsam auch, dass die herrschende Rechtsprechung, die der Meinungsfreiheit einen sehr großen Raum zubilligt, bei diesem Urteil wieder einmal unberücksichtigt blieb. Pfarrer, die religiöse Minderheiten verfolgen, machen von der »Meinungsfreiheit« ausgiebig Gebrauch, ohne je in ihre Schranken verwiesen zu werden. Doch für »Ketzer« gelten offenbar verschärfte Regeln. Es bleibt der Weg in die nächste Instanz.

Und es bleibt die Frage: Wie soll man jemanden nennen, der das Giftarsenal der modernen Inquisition ausgiebig für eine Privatfehde benutzt? Wenn er kein »Inquisitionshelfer« ist, was dann? Ein »Inquisitionsgehilfe«?

Und wie soll man diejenigen nennen, die in Staatsanwaltschaft und Justiz friedfertige Mitbürger kriminalisieren, die sich öffentlich gegen die Inquisitoren unserer Tage zur Wehr setzen wollen - und gegen ihre Helfershelfer? Vielleicht »Inquisitionsunterstützer« oder »Inquisitionssachverständige«?

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