Vor einem Jahr starb meine Mutter und bei dieser Gelegenheit besuchte ich nach über dreißig Jahren das erste Mal wieder eine katholische Messe. Als Kind mussten wir gezwungenermaßen solche Messen besuchen. Damals wurde noch in Latein zelebriert.

So stand ich also mit den nächsten Angehörigen in der ersten Reihe der Kirchenbänke als plötzlich der Priester mit seinem Kelch voll Oblaten direkt auf uns zusteuerte. Normalerweise entscheidet ja jeder selber, ob er sich erhebt und nach vorne zur Kommunion geht.

»Der Leib Christi« -
»Nein danke, ich bin Vegetarier«

Doch bei Beerdigungen werden die nächsten Angehörigen in der ersten Reihe offenbar vom Chef des Hauses persönlich bedient. Da ich als ältester Sohn der erste in der Reihe war, kam er gleich zu mir, nahm schwungvoll eine Oblate aus seinem Kelch und sagte ziemlich laut »der Leib Christi« und wollte sie mir in den Mund stopfen. Ich konnte gerade noch zurückweichen und stammeln »Nein danke, ich bin Vegetarier«. Kurze Stille. Er erschrak ob dieser Reaktion und war offensichtlich irritiert. »Tut mir leid, ich esse wirklich kein Fleisch«, sagte ich noch mal. Er fasste sich wieder, tat so, als ob nichts wäre und bediente meine Geschwister, die das nach katholischer Lehre als Oblate getarnte Stück Fleisch langsam kauend verzehrten.

Kannibalismus und Hokuspokus

Nach der Messe standen wir gruppenweise zusammen und auch der Priester gesellte sich dazu. Plötzlich stand er neben mir und wollte wissen, wie ich das vorhin gemeint hätte. »Nun«, sagte ich, »Sie glauben doch, dass die Oblate nach der Wandlung zum Fleisch Christi wird oder liege ich da falsch?« »Das ist so«, antwortete der Priester. »Da ich aber Vegetarier bin, kann ich das doch unmöglich essen. Ich esse kein Tier- und noch viel weniger Menschenfleisch. Ich bin doch kein Kannibale. Verstehen Sie das?« - »Jetzt hören Sie aber auf!« fuhr er mich an, beherrschte sich aber schnell wieder und meinte dann in versöhnlichem Ton »Sie wissen doch genau wie das gemeint ist«. »Also: doch keine Wandlung in Menschenfleisch?« fragte ich augenzwinkernd. »Doch schon, aber - Sie wissen doch genau, wie das gemeint ist,« sagte er noch mal vorwurfsvoll und wandte sich wie ein beleidigtes Kind ab.
Nun, ehrlich gesagt, war ich ein wenig durcheinander. Glaubt der Priester nun selbst nicht an sein Hokuspokus? Ich meine, man sollte da vorsichtig sein -und vielleicht sollte man das ganze Ritual nicht unterschätzen. Es gibt Zaubereien und Rituale beispielsweise im Voodoo-Kult - und viele davon sind denen der Katholischen Kirche auffällig ähnlich - die sehr wohl ihre Wirkung haben und viel Leid über Menschen bringen können. Ich möchte jedenfalls alle Vegetarier ermahnen: Werdet nicht zu Menschenfressern! Die Katholiken, die so eine, durch heidnische Kulte umgewandelte Oblate essen, essen - nach katholischer Lehre - ein Stück Menschenfleisch und das ohne mit der Wimper zu zucken. Natürlich kann es jeder Katholik so halten, wie er möchte, doch christlich sollte er das nicht nennen.

Lieber Leser, denken Sie darüber nach und schreiben Sie uns Ihre Meinung, und - wenn Sie kein Kannibale sein möchten, treten Sie vielleicht doch besser einfach aus…!
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Hallo Kadaveresser!
Wir brauchen keine Götterpriester!