Ständig geschehen weitere Naturkatastrophen – Überschwemmungen, Hurrikans, Erdbeben. Da würde sich doch die Frage stellen: Weshalb helfen die katholischen „Heiligen“ da nicht? Und weshalb kann auch der Papst nichts tun, obwohl er doch als der „Lenker des Erdkreises“ gilt? Um diese Frage zu klären, schrieb eine unserer Redakteurinnen Kardinal Meisner in Köln an:
Sehr geehrter Herr Kardinal, mit Aufmerksamkeit habe ich den Ablauf des Kölner Weltjugendtages in den Medien mitverfolgt. Als kurz nach der Abreise des Papstes aus Köln dann im Süden der USA diese schreckliche Naturkatastrophe ausbrach, machte ich mir so meine Gedanken: Der Papst wurde doch von fast einer Million Menschen gefeiert – nicht nur als „Chef“ einer großen Weltreligion, sondern irgendwie als mehr. Es wurden doch große Erwartungen in ihn gesetzt. Ich habe mich einmal bei einem Bekannten erkundigt, der sich auskennt. Er bestätigte mir, dass ein Papst nach katholischer Lehre „den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat“ (Neuner-Roos, Rand-Nummer 434). Im Krönungsritual der Päpste, so der Bekannte weiter, war bis zur Zeit Pauls VI. der Satz enthalten: „Wisse, daß du bist der Vater aller Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises“. (...) Wenn der Papst „Lenker des Erdkreises“ ist oder zumindest „den Vorrang“ über ihn innehat – weshalb kann er dann bei solchen Katastrophen nicht helfen? Und dann fiel mir noch etwas ein: Der Papst hat doch während seines Besuches im Kölner Dom am Schrein der „Heiligen Drei Könige“ gebetet. Weshalb können eigentlich die vielen Heiligen (insbesondere die „14 Nothelfer“) solche Katastrophen nicht verhindern oder zumindest lindern? (...) Weshalb funktioniert das nicht? Oder machen die Leute etwas falsch? Vielleicht können Sie mir da einen Antwort geben?
Der Kardinal antwortete nicht selbst, sondern ließ seinen Generalvikar Dr. Raimung Lülsdorff eine denkbar knappe Antwort geben:
(...) Nein, ein Satz aus dem Liber Pontificalis von 1596 ist keineswegs mit einem Dogma gleichzusetzen, sondern bringt in hohem Maße die Vorstellungen der jeweiligen Epoche zum Ausdruck. (...)
Auf die eigentlichen Fragen des Briefes war Herr Lülsdorf offenbar gar nicht eingegangen. Deshalb hakten wir nach:
(...) Sie erwähnen ... zwar den Liber pontificalis - offenbar, wenn ich Sie recht verstehe, im Zusammenhang mit dem bis ins 20. Jahrhundert gültigen Krönungsritual der Päpste. Doch was ist mit der anderen in meinem Brief zitierten Stelle, nämlich der Aussage aus der Dogmensammlung der katholischen Kirche bei Neuner-Roos, Randnummer 434, aus der ebenfalls hervorgeht, dass der Papst als „Lenker des Erdkreises“ angesehen wird? Diese Aussage ist mit einer fettgedruckten Randnummer versehen, was nach der Erklärung im Vorwort (S. 24) bedeutet, dass es sich dabei um eine „unfehlbare Entscheidung“ handelt.
Wenn Sie also der Ansicht sind, dass diese Aussage, der Papst sei „Lenker des Erdkreises“, nur eine „Vorstellung der jeweiligen Epoche“ sei und sie damit in Frage stellen, so wären Sie – nach Neuner-Roos, Randnummer 85 – automatisch exkommuniziert. Denn dort heißt es unmissverständlich:
„Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene und die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen“.
Wenn Sie aber der automatischen Exkommunikation unterliegen würden, die ja jeden Katholiken trifft, der auch nur eine der unfehlbaren Glaubensaussagen der Kirche bezweifelt, wie können Sie dann noch ohne Gewissensbisse Ihren Dienst im Generalvikariat versehen?
Wenn ich Katholikin wäre, würde ich mir an Ihrer Stelle jetzt Sorgen um mein Seelenheil machen (...)
Es ist schon sehr bedenklich, wenn wir als Nicht-Katholiken einen hohen Kirchenfunktionär über die Lehre seiner eigenen Institution aufklären müssen. Da stellt sich doch die Frage: Kennt er sie nicht? Oder verschweigt er sie bewusst?
Aber in der Kirche gibt es ja immer einen Ausweg: Der Papst könnte Kardinal Meiser und seinen ungläubigen Generalvikar ja einem Exorzismus unterziehen. Der ist ja bei ihm wieder groß in Mode gekommen.
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